Es gibt Abende, da merkt man schon beim Heimkommen, dass der Tag eigentlich längst ein bisschen zu viel war.
Der Schulranzen landet halb geöffnet im Flur, ein Schuh steht mitten im Weg, die Brotdose hat wieder diese geheimnisvolle Fähigkeit entwickelt, sich irgendwo zwischen Jacke und Turnbeutel zu verstecken, und während draußen langsam alles dunkler wird, versucht man selbst innerlich noch kurz zu sortieren, ob man eigentlich schon Abendessen geplant hat oder ob Nudeln mit „wir schauen mal“ heute wieder als vollwertiges Familienkonzept durchgehen.
Und dann beginnt dieser Teil des Tages, der in der Theorie so weich klingt und in der Realität manchmal wirkt wie ein kleiner Hindernislauf mit Zahnpasta, Schlafanzughose und einem Kuscheltier, das natürlich genau jetzt verschwunden ist.
Abendroutine mit Kindern.
Schon das Wort klingt, als müsste es eigentlich ruhig sein. Nach warmem Licht, leisen Stimmen, frisch gewaschener Bettwäsche und Kindern, die sich freiwillig ins Bett kuscheln, während man selbst mit einem Tee daneben sitzt und denkt: Ach, wie schön das alles läuft.
Die Realität sieht oft ein kleines bisschen anders aus.
Manchmal steht Liva im Schlafanzug mitten im Wohnzimmer, obwohl sie vor fünf Minuten noch todmüde aussah, und erklärt mit sehr großer Überzeugung, dass ihre Kuschelkatze heute unmöglich schlafen kann, weil sie „zu viele Gedanken im Fell“ hat. Gleichzeitig liegt irgendwo noch ein Haufen Magnetbausteine auf dem Teppich, im Bad klebt Zahnpasta am Waschbecken und man selbst merkt langsam, wie die eigene Geduld leise ihre Tasche packt und Richtung Sofa flüchten möchte.
Früher dachte ich bei solchen Abenden oft, dass wir einfach nur den perfekten Ablauf finden müssten. Eine Routine, die immer funktioniert, in der alle Schritte sauber ineinandergreifen und niemand kurz vor dem Schlafengehen noch eine emotionale Grundsatzdiskussion über Socken, Wasserflaschen oder die richtige Seite vom Kopfkissen beginnt.
Heute glaube ich eher, dass viele Abende nicht deshalb anstrengend werden, weil Eltern etwas falsch machen. Viele Kinder tragen am Abend einfach noch unglaublich viel Tag in sich. Und manchmal braucht dieser Tag viel länger, um aus dem kleinen Körper wieder herauszufinden, als wir es uns wünschen würden.
Eine gute Abendroutine für Kinder beginnt deshalb nicht erst beim Zähneputzen. Sie beginnt oft schon in der Art, wie der Abend langsam weicher werden darf.
Warum der Abend in vielen Familien so schnell kippt
Es gibt diese besondere Uhrzeit am Abend, an der sich die Stimmung im Haus manchmal innerhalb von Minuten verändert. Gerade war noch alles irgendwie machbar, und plötzlich wird aus einer einfachen Bitte ein kleines Familiendrama.
Die Schlafanzughose fühlt sich falsch an, obwohl sie gestern noch völlig okay war. Das Wasser steht im falschen Becher. Das Kuscheltier liegt nicht dort, wo es angeblich immer liegt, obwohl niemand außer dem Kind jemals wusste, dass es dort liegen muss. Und während man selbst nur noch denkt, dass jetzt bitte einfach alle freundlich Richtung Bett wandern könnten, wird die Stimmung schwerer, lauter und irgendwie klebriger.
Ich glaube, genau an dieser Stelle passiert in vielen Familien ein Missverständnis.
Wir Erwachsenen denken oft, dass das Kind nicht schlafen will, Theater macht oder den Abend absichtlich in die Länge zieht. Manchmal stimmt davon natürlich auch ein kleines bisschen etwas, denn Kinder sind schließlich keine kleinen Zen Meister mit perfekt reguliertem Abendbewusstsein. Aber ganz oft steckt darunter etwas anderes. Der Körper ist müde, der Kopf ist voll und das Nervensystem hat noch keinen Weg gefunden, vom lauten Tag in einen ruhigen Abend zu wechseln.
Viele Kinder verbringen heute ganze Tage in Umgebungen, in denen permanent etwas passiert, jemand spricht, irgendwo Geräusche entstehen oder ständig neue Eindrücke verarbeitet werden müssen, ohne dass zwischendurch wirklich Ruhe entsteht. Schule, Kindergarten, Pausenhof, Gruppenräume, Medien, Termine, Straßenverkehr und all die kleinen sozialen Situationen des Tages sammeln sich im Körper an, auch wenn von außen alles „normal“ wirkt.
Und wenn ein Kind dann abends plötzlich überdreht, albern, wütend oder völlig empfindlich wirkt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass innerlich einfach alles voll ist.
Dieses Gefühl von Daueranspannung und Erschöpfung kennen viele Erwachsene selbst nur zu gut. Wenn das Nervensystem lange aktiv bleibt, fühlt sich der Körper oft nicht wirklich erholt an, selbst wenn eigentlich keine akute Gefahr da ist. Genau dieses Zusammenspiel aus innerer Anspannung, Überforderung und fehlender Erholung zeigt sich oft durch Gereiztheit, Erschöpfung, innere Unruhe und das Gefühl, nicht wirklich abschalten zu können.
Kinder haben nur meistens keine Worte dafür.
Sie sagen nicht: „Ich bin reizüberflutet und mein Körper findet den Übergang in die Ruhe nicht.“
Sie diskutieren vielleicht darüber, warum der Schlafanzug heute „komisch guckt“.
Zuhause ist oft der Ort, an dem alles herausfallen darf
Ich finde diesen Gedanken unglaublich entlastend: Viele Kinder halten tagsüber mehr zusammen, als wir ihnen ansehen.
Sie passen sich an, warten ab, hören zu, teilen, verlieren kleine Konflikte nicht komplett aus dem Blick, verarbeiten Geräusche, beobachten andere Kinder, orientieren sich an Erwachsenen und versuchen irgendwie durch einen Tag zu kommen, der auch dann anstrengend sein kann, wenn er schön war.
Und dann kommen sie nach Hause.
Zuhause ist vertraut. Zuhause riecht nach den eigenen Sachen. Zuhause sind die Menschen, bei denen nicht mehr alles so kontrolliert werden muss. Genau deshalb fällt dort oft erst einmal alles heraus, was vorher gehalten wurde. Das kann sich für Eltern anfühlen wie ein kleiner Sturm, aber es ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft.
Manchmal ist Zuhause einfach der erste sichere Ort des Tages.
Natürlich macht dieser Gedanke einen schwierigen Abend nicht sofort leicht. Wenn man selbst müde ist, die Küche aussieht, als hätte jemand eine sehr kreative Interpretation von Abendessen ausprobiert, und ein Kind gleichzeitig im Bad weint, weil die Zahnpasta „zu minzig“ ist, dann hilft Theorie nur begrenzt. Aber manchmal reicht ein kleiner innerer Perspektivwechsel, damit man nicht sofort in diesen Kampfmodus rutscht.
Dann sieht man nicht nur ein Kind, das schon wieder nicht hört, sondern ein Kind, dessen Körper gerade versucht, all die Spannung des Tages irgendwo loszuwerden.
Und vielleicht sieht man auch sich selbst etwas weicher. Denn wir Eltern kommen ja ebenfalls nicht leer in den Abend. Auch wir haben den ganzen Tag funktioniert, entschieden, organisiert, reagiert, gedacht und oft viel zu wenig geatmet. Abends treffen dann manchmal zwei volle Nervensysteme aufeinander. Ein kleines und ein großes. Beide möchten eigentlich Ruhe, aber beide wissen nicht immer sofort, wie sie dorthin kommen.

Genau deshalb darf Abendroutine nicht wie ein weiterer Leistungsbereich wirken.
Sie darf eher ein weicher Übergang sein.
Der Abend braucht meistens mehr Übergang als Tempo
Ich glaube, einer der größten Irrtümer bei Abendroutinen ist, dass wir oft schneller werden, wenn es schwierig wird.
Wenn die Uhr tickt und das Kind nicht mitmacht, werden unsere Sätze kürzer, unsere Stimme angespannter und unsere Bewegungen hektischer. Wir wollen noch schnell Zähne putzen, schnell den Schlafanzug anziehen, schnell das Zimmer fertig machen, schnell die Geschichte lesen und schnell Licht aus machen, weil wir spüren, dass der Abend sonst komplett ausfranst.
Das ist total verständlich.
Aber viele Kinder werden durch dieses Tempo nicht schneller ruhig. Sie werden innerlich eher noch enger.
Manchmal ist der liebevollste Schritt deshalb nicht, noch mehr zu beschleunigen, sondern den Abend an einer Stelle bewusst zu verlangsamen. Nicht überall, nicht perfekt und nicht mit einem großen Ritual, für das man erst ein neues Leben beginnen muss. Sondern ganz praktisch im echten Familienalltag.
Vielleicht wird nach dem Abendessen nicht sofort der nächste Schritt angesagt, sondern erst einmal das Licht etwas wärmer gemacht. Vielleicht läuft ein ruhiges Hörspiel im Hintergrund, während das Kinderzimmer nicht perfekt aufgeräumt wird, sondern nur so weit, dass niemand nachts auf einen Baustein tritt und sein gesamtes Leben hinterfragt. Vielleicht darf die Kuscheldecke schon auf dem Sofa liegen, bevor es ins Bad geht, oder die Yogamatte bleibt noch einen Moment ausgerollt, weil der Körper erst ein bisschen landen muss.
Liva sitzt an solchen Abenden manchmal im Schlafanzug zwischen ihren Kuscheltieren und malt noch einen kleinen Stern in ihr Fokusbuch. Zwischen den Kissen liegen dann oft noch Magnetbausteine, aus denen vorher ein Sternenschloss gebaut wurde, und ich merke, wie sich der Abend nicht plötzlich perfekt, aber doch ein bisschen weicher anfühlt.
Genau darum geht es.
Nicht um eine Abendroutine, die wie aus einem Ratgeber funktioniert.
Sondern um einen Abend, der dem Körper langsam zeigt: Du darfst jetzt vom Tag zurückkommen.
Warum Bewegung vor dem Schlafen manchmal sinnvoll ist
Viele Eltern haben Angst, dass Bewegung am Abend Kinder noch mehr aufdreht. Und ja, wildes Toben kurz vor dem Schlafengehen kann natürlich dazu führen, dass plötzlich alle wieder auf dem Energielevel „Kindergeburtstag mit Glitzer“ sind.
Aber ruhige Bewegung ist etwas anderes.
Gerade Kinder, die abends innerlich noch sehr geladen sind, brauchen manchmal erst einen körperlichen Übergang, bevor sie überhaupt still werden können. Der Körper hat über den Tag Spannung gesammelt, und diese Spannung verschwindet nicht immer nur deshalb, weil wir sagen: „Jetzt ist aber Schlafenszeit.“
Deshalb funktionieren kleine Yoga Momente in der Liva Welt so gut. Nicht als Training, nicht als starre Übung und ganz sicher nicht als etwas, das perfekt aussehen muss. Sondern als kleine Fantasiereise, in der der Körper auf eine spielerische Weise langsamer werden darf.
Liva rollt manchmal ihre kleine Yogamatte aus und erklärt, dass diese Matte heute ein weicher Mondteppich ist. Dann wird eine Katze gemacht, die sich nach einem langen Tag streckt. Ein kleiner Drache klappt langsam seine Flügel ein. Ein Flamingo steht still am Zaubersee und versucht, nicht in die Sterne zu fallen. Von außen sieht das vielleicht einfach süß aus, aber für den Körper kann genau so ein Moment eine echte Brücke sein.

Bewegung kann helfen, innere Anspannung abzubauen und wieder mehr Verbindung zum eigenen Körper zu spüren. Auch in der Nervensystemarbeit können Bewegung, Atmung, Summen, Temperaturreize oder kleine Übungen dabei unterstützen, wieder mehr Regulation zu finden.
Bei Kindern darf das leicht bleiben.
Eine Yogamatte, ein paar Kissen und eine kleine Geschichte reichen oft völlig aus, damit aus „Ich kann nicht schlafen“ langsam ein „Ich spüre meinen Körper wieder“ wird.
Kleine Fokusmomente statt Abendkampf
Wenn ein Kind abends komplett überdreht wirkt, denken wir oft zuerst an weniger. Weniger reden, weniger bewegen, weniger machen. Das kann stimmen, aber manchmal brauchen Kinder nicht einfach nur weniger, sondern etwas Kleines, das ihre Aufmerksamkeit sanft bündelt.
Genau hier passen ruhige Fokusmomente so schön.
Damit meine ich keine Arbeitsblätter, keinen Schulmodus und kein „Jetzt konzentrier Dich bitte noch fünf Minuten“. Ich meine kleine Mitmachseiten, Linien, Muster, Suchbilder, einfache Konzentrationsspiele oder kreative Mini Aufgaben, bei denen die Hände etwas tun dürfen und der Blick bei einer Sache bleiben kann.
Zwischen den ganzen Abenddingen liegt hier inzwischen oft Livas kleines Fokusbuch bereit. Nicht prominent, nicht als Pflicht und nicht als „Du musst jetzt noch etwas machen“, sondern einfach als ruhiger kleiner Begleiter, der an manchen Tagen genau zur richtigen Zeit auftaucht.
Manchmal nimmt Liva es sich, wenn sie eigentlich schon im Schlafanzug ist, setzt sich auf den Teppich und macht noch eine Seite, während im Hintergrund leise Musik läuft. Es ist kein großer Moment, nichts Spektakuläres, kein pädagogisches Feuerwerk mit Zertifikat. Aber genau das ist vielleicht das Schöne daran. Für ein paar Minuten wird alles kleiner. Der Raum wird ruhiger, die Hände sind beschäftigt und der Tag verliert ein bisschen von seiner Geschwindigkeit.
Auch das Fokus Freebie kann an dieser Stelle wunderbar in die Welt passen. Für Eltern, die an chaotischen Abenden nicht erst lange überlegen möchten, was jetzt helfen könnte, ist so eine kleine Sammlung ruhiger Mitmachseiten einfach ein sanfter Einstieg. Nicht als Programm, sondern als Möglichkeit, einen Abend weicher werden zu lassen.
Licht, Geräusche und die kleinen Signale des Abends
Kinder reagieren oft viel stärker auf die Atmosphäre eines Raumes, als wir denken.
Ein grelles Licht, ein laufender Fernseher im Hintergrund, hektische Stimmen, noch schnell erledigte Aufgaben und ein allgemeines Gefühl von „wir müssen jetzt aber“ können einen Abend innerlich sehr aktiv halten. Das bedeutet nicht, dass abends alles still und perfekt sein muss. In echten Familienwohnungen läuft immer irgendwo etwas. Eine Spülmaschine brummt, ein Geschwisterkind sucht ein Kuscheltier, jemand lässt Wasser laufen und irgendetwas piept natürlich genau dann, wenn gerade Ruhe entstehen soll.
Aber kleine Signale können trotzdem helfen.
Ein warmes Nachtlicht kann dem Raum eine andere Stimmung geben. Eine vertraute Hörbox kann den Übergang begleiten, wenn sie nicht zu laut und nicht zu aufregend ist. Eine Kuscheldecke auf dem Sofa kann wie eine kleine Einladung wirken, langsamer zu werden. Ein Buch, das immer wieder gelesen wird, kann dem Körper irgendwann zeigen: Jetzt beginnt der Abend.
Ich glaube, Kinder lieben Wiederholungen nicht, weil sie langweilig sind, sondern weil sie Sicherheit geben.
Wenn etwas jeden Abend ähnlich passiert, muss der Körper nicht immer neu verhandeln, was jetzt kommt. Das heißt nicht, dass es keine Diskussionen mehr gibt. Natürlich wird es sie geben. Es wird weiterhin Abende geben, an denen jemand plötzlich Durst hat, Hunger hat, nochmal aufs Klo muss, doch nicht aufs Klo muss, das falsche Kuscheltier hat oder ganz dringend erklären möchte, warum Schlafen evolutionär betrachtet eine fragwürdige Entscheidung ist.
Aber unter all dem kann ein vertrauter Ablauf trotzdem halten.
Nicht streng.
Sondern wie ein Geländer.
Warum Druck am Abend fast immer nach hinten losgeht
Je müder Kinder sind, desto schlechter funktioniert zusätzlicher Druck. Und gleichzeitig ist genau der Abend oft der Moment, in dem wir Eltern am wenigsten Kraft für Geduld haben. Das ist eine dieser herrlich unfairen Kombinationen des Familienlebens.
Man selbst möchte nur noch, dass alle Zähne geputzt sind, alle Körper in passenden Schlafanzügen stecken und niemand mehr eine philosophische Frage über Monster unter dem Bett eröffnet. Das Kind dagegen steht im Badezimmer und wirkt plötzlich so, als hätte es sein gesamtes Lebensziel darin gefunden, Zahnpasta zu vermeiden.
Natürlich werden wir dann manchmal ungeduldig.
Das ist menschlich.
Aber viele Kinder können in solchen Momenten nicht besser kooperieren, nur weil der Druck steigt. Im Gegenteil. Wenn der Körper ohnehin müde, voll und überreizt ist, fühlt sich zusätzlicher Druck oft wie noch ein Reiz an. Dann wird aus einer kleinen Bitte schnell ein Machtkampf, und aus einem müden Kind wird ein Kind, das plötzlich auf gar keinen Fall mehr mitmachen kann.
Was häufig besser funktioniert, sind kleine klare Übergänge. Ein ruhiger Satz statt zehn Erklärungen. Eine Wahl zwischen zwei Möglichkeiten. Eine vertraute Reihenfolge. Ein bisschen Humor, wenn noch genug Kraft dafür da ist. Oder ein körperlicher Einstieg, der das Denken umgeht, zum Beispiel: „Komm, wir schleichen wie Katzen ins Bad.“
Das klingt klein, aber genau diese kleinen Momente entscheiden oft darüber, ob der Abend enger oder weiter wird.
Was eine gute Abendroutine wirklich ausmacht
Eine gute Abendroutine für Kinder muss nicht schön genug sein, um sie auf Pinterest zu zeigen.
Sie muss zu Eurem echten Alltag passen.
Wenn bei Euch abends noch Geschwister durch die Wohnung laufen, die Küche nicht fertig ist und niemand Lust auf ein zehnteiliges Ritual mit Duftlampe, Klangschale und innerem Frieden hat, dann ist das völlig normal. Eine Routine darf schlicht sein. Sie darf aus wenigen Dingen bestehen und trotzdem gut wirken.

Vielleicht beginnt sie damit, dass nach dem Abendessen das Licht gedimmt wird. Vielleicht gibt es jeden Abend zehn Minuten ruhiges Spielen auf dem Teppich. Vielleicht macht Ihr eine kleine Liva Yogareise, bei der der müde Drache seine Flügel einklappt. Vielleicht gibt es danach Zähneputzen, Schlafanzug, eine Geschichte und ein vertrautes Nachtlicht.
Oder vielleicht sieht sie bei Euch ganz anders aus.
Wichtig ist nicht, dass es perfekt ist. Wichtig ist, dass Dein Kind eine gewisse Wiedererkennbarkeit spürt. Der Körper darf lernen: Ah, das kenne ich. Jetzt wird der Tag kleiner.
Ich finde diesen Gedanken unglaublich schön, weil er den Druck nimmt. Abendroutine ist nicht dazu da, eine Familie zu optimieren. Sie ist dazu da, einen Übergang zu halten.
Die Abende die nicht perfekt waren und trotzdem schön bleiben
Manchmal sind die schönsten Abende nicht die, die reibungslos laufen.
Es sind diese Abende, an denen eigentlich noch überall Spuren des Tages liegen. Magnetbausteine auf dem Teppich, ein halb ausgemaltes Bild auf dem Tisch, eine Kuscheldecke auf dem Sofa, ein kleiner Schlafanzug Mensch mit zerzausten Haaren und ein Hörspiel, das schon viel zu oft gehört wurde und trotzdem wieder läuft.
Vielleicht sitzt Liva dann zwischen ihren Kuscheltieren und ist plötzlich ganz still, obwohl der Abend vorher noch wild war. Vielleicht malt sie noch einen Stern auf eine Seite, vielleicht streckt sie sich auf ihrer Yogamatte wie eine müde Katze oder vielleicht legt sie einfach ihren Kopf auf Dein Bein und sagt gar nichts mehr.
Solche Momente kann man nicht erzwingen.
Aber man kann ihnen Raum geben.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Qualität einer guten Abendroutine: Sie schafft Raum, damit der Tag langsam ausklingen darf, ohne dass alles perfekt sein muss.
Kinder erinnern sich später wahrscheinlich nicht daran, ob jeden Abend alle Schritte korrekt eingehalten wurden. Vielleicht erinnern sie sich eher an dieses Gefühl von Zuhause. An warmes Licht, leise Stimmen, eine Decke auf dem Sofa, ein vertrautes Buch und daran, dass der Tag irgendwann weich werden durfte.
FAQ zur Abendroutine bei Kindern
Warum drehen Kinder abends oft nochmal richtig auf?
Viele Kinder wirken abends überdreht, obwohl sie müde sind, weil der Körper noch Spannung vom Tag verarbeitet. Müdigkeit zeigt sich bei Kindern nicht immer leise, sondern manchmal durch Albernheit, Bewegung, Reizbarkeit oder starke Gefühle. Der Abend braucht dann oft erst einen weichen Übergang, bevor echte Ruhe möglich wird.
Was hilft Kindern beim Runterkommen am Abend?
Vielen Kindern helfen vertraute Abläufe, warmes Licht, ruhige Stimmen, sanfte Bewegung, ein Hörspiel, eine Kuscheldecke oder kleine Fokusmomente. Wichtig ist, nicht noch mehr Druck aufzubauen, sondern dem Körper nach und nach zu zeigen, dass der Tag jetzt kleiner werden darf.
Ist Yoga vor dem Schlafengehen sinnvoll?
Ruhiges Kinder Yoga kann vor dem Schlafengehen sehr hilfreich sein, wenn es spielerisch und sanft bleibt. Kleine Fantasiereisen mit langsamen Bewegungen können Kindern helfen, Spannung abzubauen und wieder mehr im Körper anzukommen, ohne dass daraus ein sportliches Programm wird.
Was tun, wenn mein Kind abends nicht kooperiert?
Wenn Kinder abends nicht kooperieren, steckt oft Müdigkeit, Hunger, Überreizung oder ein voller Tag dahinter. Klare kleine Schritte, einfache Wahlmöglichkeiten und vertraute Rituale funktionieren häufig besser als lange Erklärungen. Manchmal hilft es auch, erst einen körperlichen oder ruhigen Übergang anzubieten, bevor die eigentliche Abendroutine startet.
Wie passt Yoga mit Liva zur Abendroutine?
Yoga mit Liva passt besonders gut in den Abend, weil Bewegung, Fantasie und Ruhe miteinander verbunden werden. Kinder müssen nicht still funktionieren, sondern dürfen über kleine Geschichten und sanfte Bewegungen langsam vom Tag zurück in den Körper finden.
Fazit: Eine gute Abendroutine muss nicht perfekt sein
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erinnerung für alle Eltern, die abends manchmal völlig erschöpft im Badezimmer stehen und sich fragen, warum Zähneputzen heute schon wieder so ein großes Thema ist.
Eine gute Abendroutine muss nicht perfekt sein. Sie muss nicht aussehen wie aus einem Familienmagazin und sie muss auch nicht jeden Abend gleich friedlich funktionieren. Sie darf echt sein. Sie darf manchmal holpern. Sie darf in einer Wohnung stattfinden, in der noch Magnetbausteine auf dem Teppich liegen und irgendwo eine Brotdose darauf wartet, endlich gefunden zu werden.
Was Kinder am Abend oft brauchen, ist nicht mehr Druck, sondern ein weicher Weg aus dem Tag heraus. Ein Raum, der langsam ruhiger wird. Ein Körper, der noch ein bisschen Bewegung haben darf. Hände, die mit einer ruhigen Fokusseite beschäftigt sind. Ein warmes Licht. Eine vertraute Stimme. Eine kleine Geschichte, in der ein müder Drache endlich seine Flügel einklappt.
Und vielleicht brauchen wir Erwachsenen genau das manchmal genauso sehr.
Denn wenn der Abend nicht mehr wie ein Kampf wirken muss, sondern wie ein Übergang, verändert sich etwas. Nicht immer sofort, nicht jeden Tag und ganz sicher nicht perfekt. Aber manchmal liegt irgendwann zwischen Kuscheldecke, Zahnbürste und halb leerem Wasserglas plötzlich genau dieser kleine Frieden im Raum, den man nicht planen kann.
Das glaubt mir keiner, aber manchmal beginnt eine ruhige Nacht nicht damit, dass endlich alles erledigt ist. Manchmal beginnt sie damit, dass der Abend einfach ein bisschen weicher werden durfte.
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